Blutsauger in Alpaka, Schaf und Ziege? Haemonchus contortus – der rote Magenwurm
Alpakas, Lamas, Schafe und Ziegen können sich beim Weiden mit verschiedenen Magen-Darm-Würmern, wie z.B. Trichostrongyliden und Bandwürmern, anstecken. Ein besonders gefährliches Mitglied der Familie der Trichostrongyliden ist der Rote Magenwurm (Haemonchus contortus). Ein starker Befall mit dem roten Magenwurm kann aufgrund seiner speziellen Ernährungsweise vor allem bei Jungtieren bereits früh in der Weidesaison zu akuten Erkrankungen und sogar zu Todesfällen führen. Er besiedelt den Labmagen und saugt dort Blut – ca. 0,05 ml pro Tag und Wurm. Dies klingt nach nicht viel. Bei einem Befall mit mehreren Tausend Würmern kann dies aber schnell einen großen Blutverlust bedeuten. Einen Hinweis auf einen Befall kann eine blasse Augenschleimhaut als Anzeichen einer Anämie geben.
Die Weibchen von Haemonchus contortus produzieren sehr viele Eier (etwa 5000 Eier pro Weibchen und Tag). Ein Befall kann sich also schnell ausbreiten und die Weide langfristig verseuchen. Der Wurm stammt aus Regionen mit eher feuchtwarmem Klima. Inzwischen ist er aber auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz selbst in größeren Höhenlagen weit verbreitet. Unsere Winter überlebt er entweder in Hypobiose (Ruhephase in der Darmschleimhaut) im Wirtstier oder im Ei auf der Weide. Im Frühjahr wird er wieder aktiv. Die Larven in der Darmwand entwickeln sich zu erwachsenen Würmern, die im Darmlumen wiederum Eier produzieren. Und in den Eiern auf der Weide entwickeln sich die frischen Larven, die schlüpfen und dann wieder von den weidenden Tieren aufgenommen werden können. So startet der Zyklus erneut.
Ein großes Problem ist die weit verbreitete Resistenz dieser Wurmart gegen Anthelmintika (Wurmmittel). Da Haemonchus spp. eine hohe Vermehrungsrate hat, setzen sich Mutationen, die ein Überleben der Wurmkur erlauben, besonders schnell in der Population durch. Eine Entwurmung der Tiere ist also keine Garantie dafür, dass sie komplett von den Parasiten befreit sind. Wichtig ist es zu wissen, dass bereits bei allen Anthelmintika-Klassen Resistenzen bekannt sind. Selbst beim neuen Wirkstoff Monepantel konnten bereits verminderte Wirksamkeiten beobachtet werden. In wie weit der jeweilige Bestand davon betroffen ist, sollte durch Wirksamkeitskontrollen nach der Entwurmung überprüft werden. Dazu werden optimalerweise jeweils vor der Wurmkur und ca. 10-14 Tage danach Kotproben mittels McMaster-Verfahren untersucht. Nur wenn keine Eier mehr nachgewiesen werden bzw. mindestens eine 95%ige Reduktion des Vorwertes vorliegt, war die Entwurmung erfolgreich (Eizahlreduktionstest).
Diagnostik
Bei den „normalen“ Kotuntersuchungen (Flotation oder McMaster) kann man nur die Trichostrongyliden als taxonomische Familie nachweisen. Die Stadien, die dabei nachgewiesen werden – die Eier – kann man nicht weiter unterscheiden. Sie sehen bei allen Vertretern dieser Familie mehr oder weniger gleich aus. Ob also Haemonchus im Bestand vorkommt, weiß man nach einer solchen Untersuchung noch nicht. Zur genauen Bestimmung der Art anhand morphologischer Merkmale braucht man den erwachsenen Wurm oder das 3. Larvenstadium. Diese Drittlarven gewinnt man, indem man sie über etwa 14 Tage in der Kotprobe anzüchtet (Koprokultur bzw. Larvenkultur) und dann mikroskopisch bestimmt. Dies ist relativ (zeit-)aufwändig und sollte nur durch spezialisiertes, erfahrenes Laborpersonal durchgeführt werden.
Ein neueres und vor allem schnelleres Verfahren zum Nachweis von Haemonchus-Eiern ist die sogenannte PNA-FITC-Färbung, bzw. die Haemonchus-Färbung. Dazu isoliert man Trichostrongyliden-Eier aus der Kotprobe und inkubiert sie in einer speziellen Fluoreszenz-Färbelösung. Der Farbstoff heftet sich mittels eines gebundenen Lektins an spezifische Oberflächenmoleküle der Eier an. Diese leuchten grün, wenn man das Präparat in der Dunkelkammer unter dem Fluoreszenzmikroskop betrachtet (Abb. 3 a und b). Alle Eier im Präparat, auch die nicht gefärbten, werden gezählt. So kann man nicht nur Haemonchus nachweisen, sondern auch seinen Anteil an der Population und damit das Risiko eines relevanten Befalls abschätzen.

Abb. 1 a: grün angefärbtes Haemonchus-Ei (links, weißer Pfeil) und ungefärbtes Trichostrongyliden-Ei (rechts, oranger Pfeil).
Abb. 1 b: oben: grün gefärbtes Haemonchus-Ei (weißer Pfeil); unten: zwei gelbleuchtende Bandwurm-Eier; im Bildhintergrund: drei Umrisse von verschiedenen ungefärbten Trichostrongyliden-Eiern (orange Pfeile).
Neben einer regelmäßigen gezielten Untersuchung auf die verschiedenen Endoparasiten sind also auch Spezialuntersuchungen wie der Haemonchus-Nachweis und die Wirksamkeitskontrollen nach der Entwurmung wichtig, um gezielt handeln zu können.
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